«James, nimm bitte den Rolls von der Steckdose»
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Bis am 13. März dreht sich in Genf alles ums Auto
Startschuss: Der 81.Internationale Auto-Salon Genf öffnet seine Tore morgen Donnerstag, 3.März, und dauert bis am 13.März. Offiziell eröffnet wird die Messe von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey.
Öffnungszeiten: Die Hallen sind jeweils von Montag bis Freitag von 10 bis 20 Uhr, am Wochenende von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Eine Tageskarte kostet für Erwachsene 16 Franken, für Kinder bis 16 Jahre und AHV-Bezüger
9 Franken. Gruppen von 20 Personen und mehr zahlen 11 Franken pro Nase.
Anfahrt: Am bequemsten zum Salon kommt man mit dem Zug. Vom Flughafenbahnhof Genève-Aéroport sind es ungefähr drei Minuten Fussweg zur Halle 7 von Geneva Palexpo. Die SBB setzen täglich Extrazüge ein und bieten vergünstigte Kombitickets an. Extrazüge fahren unter anderem ab Bern, Biel, Olten und Solothurn.
Aussteller: An der Salon-Ausgabe 2011 gibt es über 170 Welt- und Europapremieren zu bestaunen. Noch nie waren so viele Aussteller in Genf vertreten wie dieses Jahr: Über 260 Firmen präsentieren ihre Produkte. fs
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Auch in wohlbegüterten Kreisen gehört ökologisches Verhalten heute zum guten Ton. Die Automobilindustrie macht den Superreichen aber das Leben schwer. Oberhalb der hybridbetriebenen Lexus-Modelle – aus Sicht eines Luxusverwöhnten allerhöchstens Mittelklasse – klafft in der Angebotspalette ein Loch.
Doch nun naht für Oligarchen, New-Economy-Bonzen oder Blaublüter endlich die Lösung des Luxusproblems. Am Genfer Auto-Salon präsentiert Rolls Royce sein erstes Elektromodell. «102 EX» heisst das rund sechs Meter lange Edelgefährt, das auf dem konventionellen «Phantom»-Modell basiert. Statt «Harry, hol schon mal den Wagen!», wie früher bei Derrick, heisst es bei umweltbewussten Lords und Ladys möglicherweise bald schon: «James, nimm den Rolls von der Steckdose.»
Kühlerlady in Blau
Von aussen machen lediglich stilistische Details auf die Andersartigkeit der Spitzenkarosse aufmerksam. Die Kühlerfigur «Spirit of Ecstasy» – aus Plexiglas statt Chrom – wird von innen zartblau beleuchtet. Und dort, wo früher der Tankdeckel sass, wartet nun eine ebenfalls blau illuminierte Ladebuchse auf den Anschluss ans Stromnetz. Die Ladebuchse wäre allerdings nicht zwingend nötig. Der Elektro-Rolls lässt sich auch kontaktlos über ein revolutionäres Induktionsfeld an der Unterseite des Wagens aufladen – sofern im Boden der heimischen Garage eine Ladestation installiert ist.
In 96 Lithium-Ionen-Akkus schlummert die Kraft, die sich über die beiden Elektromotoren entfalten soll. 290 Kilowatt vermögen die Motoren zu leisten, auf 60 Stundenkilometer beschleunigt der Elektro-Rolls in weniger als acht Sekunden. Der Aktionsradius des Fahrzeugs beläuft sich auf rund 200 Kilometer. Ist der Luxuskarosse der Strom ausgegangen, dauert es acht Stunden, bis die Akkus wieder voll sind.
Klassisch, edel, Rolls Royce
Im Innenraum ist alles wie gehabt, klassisch und edel, typisch Rolls Royce eben. Walnusswurzelholz vom Feinsten, selbstverständlich nur von einem einzigen Baum, damit auch wirklich bis ins Detail alles stimmt. Feinstes Rindsleder, welche die fauteuilähnlichen Sitze einfassen. Im Fond eine Beinfreiheit, die zum Lümmeln einlädt. Und die Kühlerfigur lässt sich, selbstverständlich, auf Knopfdruck versenken. Wäre ja schade, wenn Vandalen der «Spirit of Ecstasy» an die Wäsche gingen.
«Wir haben das weltweit erste Fahrzeug mit Batterieantrieb im obersten Luxussegment gebaut», lässt sich Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös selbstbewusst zitieren. Von der Serienreife sei man allerdings noch weit weg. Vorerst soll der «Elextro-Phantom» eine Testplattform bleiben. «Wir müssen sicherstellen, dass ein alternativer Antrieb das wahre Rolls-Royce-Feeling nicht beeinträchtigt.» Müller-Ötvös schickt deshalb seinen «102EX» rund um die Welt, um ihn von Kunden und Fachleuten ausgiebig testen zu lassen. «Wir beginnen eine Forschungsreise in die Welt der alternativen Antriebssysteme. Sie wird uns Auskunft darüber geben, welche Technologien in Zukunft zum Antrieb von Rolls-Royce-Fahrzeugen verwendet werden.» Der Preis für den E-Rolls-Royce ist noch offen, dürfte aber doch noch etwas über jenem für den konventionellen «Phantom» liegen (Basispreis rund eine halbe Million Franken). Auch wenn der Elektro-Rolls noch lange nicht in Serie gehen sollte, leistet Rolls Royce fürs Klima schon heute seinen Beitrag. 2711 Fahrzeuge verliessen 2010 das Werk; pro Auto verarbeitet der Autobauer 16 Rindshäute. Das bedeutet: Pro Jahr lässt Rolls Royce rund 43'000 Rinder schlachten. Angesichts der Unmengen von Methangas, welche diese Rindviecher lebend ausstossen würden, ist dem britischen Autobauer unsere Anerkennung gewiss. (Berner Zeitung)
Erstellt: 02.03.2011, 09:56 Uhr
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