Die grosse Jagd nach den kleinen Geschenken
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Gleich nach dem Eingang zum Auto-Salon Genf wird die Stoppuhr gestartet. Und es geht genau 43 Sekunden bis zur ersten Enttäuschung. Die Hostessen am Stand von Renault sind zwar nett, aber alles, was es hier zu holen gibt, ist ein USB-Stick mit ein paar Infos zu den Boliden drauf. Aber echte Werbegeschenke, ein Schlüsselanhänger, ein Feuerzeug, ein Spielzeugauto, ein Rucksack? Nichts, gar nichts, heisst es.
Der Autosalon Genf ist eine der wichtigsten Automessen der Welt. Und damit das ideale Tummelfeld für skrupellose Jäger schneller Geschenke. Könnte man meinen. Die Probe aufs Exempel aber bringt nur Rückschläge und Enttäuschungen. Exakt eine Stunde grosse Jagd auf kleine Geschenke bleibt fast ohne Beute.
2 Minuten 51 Sekunden sind vorbei, und Toyota hat nur Prospekte. Sonst nichts, brummt die Hostess, sonst nichts. Beim TCS liegen Kleber rum, die Lancia-Frau streckt einen Prospekt für die neueste iPhone-App über den Tresen, bei Mazda und Lexus gibt es nichts.
10 Minuten und 7 Sekunden auf der Uhr, endlich, ein Lichtblick. Suzuki habe ein Memory-spiel und einen Malbogen plus Farbstifte, sagt die junge Frau am Stand. Allerdings gebe es die erst ab Donnerstag, wenn der Salon dann für alle offen ist.
Bei Nissan gibts nichts, bei Jaguar gibts nichts, bei Peugeot gibts nichts. Man dürfe aber gerne mal ins neue Elektroauto sitzen, sagt die Hostess. Ein Jäger aber will in keine Autos sitzen, ein Jäger will Kleber, Pins, aufblasbare Strandbälle, Kalender und Schoggi!
Nach 19 Minuten und 40 Sekunden läuft dem Geschenkejäger langsam der Schweiss über die Stirn. Immerhin verteilt Land-Rover Schlüsselanhänger. Ist das am Ende der Anfang einer Zukunft voller prallgefüllter Geschenksäcke grosser Autohersteller? Nicht ganz. Nach 23 Minuten und 29 Sekunden besteht die Beute aus einem Kugelschreiber, einem Block und einem Caramelbonbon von Mini, etwas später kommen Kugelschreiber und Schokolade von BMW und eine Plastiktasche von Citroën dazu. Nach 29 Minuten und 29 Sekunden plumpst eine Agenda von Mercedes in ebendiese rein.
Bei Kia gibts wieder nichts, bei Smart nicht, bei Fiat nicht, bei Maserati nicht. Die Frau am Stand von Alfa Romeo überlegt lange. Dann sagt sie: «Ich erinnere mich, dass mir gesagt worden ist, dass es keine Werbegeschenke gibt.» Mittlerweile sind 48 Minuten und 50 Sekunden vorbei und die Taschen noch immer leer, leer, leer.
An jeder Gewerbeausstellung gibt es mehr Geschenke zu holen als am Autosalon, liebe Leute. Bei Opel hat man immerhin eine gute Ausrede parat. «Aus Umweltschutzgründen» verzichte man dieses Jahr auf Geschenke, sagt die Hostess. Die gäben nur Abfall. Auch Prospekte gebe man nicht mehr einfach so ab. Wer Interesse habe, erhalte den Papierkram zugeschickt.
4 Minuten und 21 Sekunden sind es jetzt noch bis zur vollen Stunde und dem Ende der Jagdsaison. Zeit für ein paar letzte, verzweifelte Versuche. Bei Hyundai ergattert der Jäger immerhin noch ein Plastikarmband. Reifenhersteller Goodyear hat einen Energy-Drink. Und Skoda einen kleinen Wasserspray. Nach einer Stunde grosser Jagd auf kleine Geschenke hilft der wenigstens ein bisschen gegen die Erschöpfung. (Berner Zeitung)
Erstellt: 02.03.2011, 09:59 Uhr
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