Die Stars am Autosalon 1971
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Der 41. Genfer Auto-Salon von 1971 stand im Zeichen von extravaganten und futuristischen Studien und Supersportwagen, im «normalen» Fahrzeugsegment waren weniger Neuerungen zu verzeichnen als in anderen Jahren, wohl auch getrieben durch Streiks in den Produktionswerken.
1971 war als internationales Jahr zur Bekämpfung des Rassismus und der Rassendiskriminierung gestartet. Das erste McDonald's-Fast-Food-Restaurant wurde in München eröffnet. Texas Instruments brachte den ersten Taschenrechner auf den Markt und die 3.5-Zoll-Floppy-Disk erblickte das Licht der Welt. Einen Fernseher gab es inzwischen fast in jedem Wohnzimmer. Es war auch die Zeit, als Jacky Stewart auf dem Tyrrell Weltmeister wurde in der Formel 1. Benzin war immer noch ungefähr gleich teuer wie 1951.
Japaner mit vielen Neuheiten und Markteinführungen
In der Autobranche vollzog sich auch langsam ein Wandel: Waren japanische Wagen in den 60er-Jahren noch belächelt worden, stieg der Marktanteil trotzdem stetig und verdoppelte sich sogar im Jahre 1970. In der Schweiz waren die Japaner damit Nummer 5 und hatten bereits die USA und Schweden abgehängt. Die Fahrzeuge wurden gleichzeitig für europäische Käufer immer attraktiver. So zeigte Mazda in Genf den neuen 1600, der als RX-2 Coupé auch mit Wankelmotor erhältlich war. Der Nissan 2000 GT leistete als sportliche Limousine mit Sechszylinder 120 SAE-PS, was ihn zu 175 km/h befähigte und als Konkurrent von Alfa Romeo und BMW positionierte. Toyota präsentierte einen neuen Crown.
Wenig Neues aus Europa in den unteren Preiskategorien
In den unteren Preiskategorien waren weniger neue Fahrzeuge Gesprächsthema als Marketing-Variationen bestehender Modelle. Da wurden Autos mit «GL», «GT», «Deluxe» oder «Super» aufgewertet, was typischerweise mit einem Mehrpreis einherging. Der einfache, spartanisch ausgestattete Kleinwagen schien auszusterben. Zwar gab es den VW Käfer als 1200er-Basismodell noch, aber die 1300, 1302 und 1302 S Modelle versprachen mehr Komfort, Leistung und Ausstattung. Ähnliches gab es bei Citroën mit dem 2CV, wo eine «4» oder «6» den Ausstattungsstand andeutete. 1971 waren Fahrleistungen und Komfort der unteren Preisklassen bereits auf dem Niveau, das früher der Mittelklasse vorbehalten war.
Der Trend zum Kombi
«Der Zug zur Karosserie mit Hintertüre oder Heckklappe wird immer deutlicher», schrieb die «Automobil-Revue» 1971. Der Range Rover, erstmals in der Schweiz gezeigt, war hierfür ein gutes Beispiel. Die französischen Marken erwiesen sich in der Kombiwagenproduktion als die Eifrigsten, aber auch die deutschen Hersteller, z.B. mit dem BMW 2000 Touring oder dem Opel Ascona, zogen schnell mit. Auch die Engländer standen nicht abseits.
Populäre Coupés, aber wenig Neues
Bei den Coupés konnte man 1971 zwei verschiedene Lager unterscheiden: Die «reinen» Coupés, die (karosserietechnisch) keinerlei Beziehungen zu anderen Baureihen desselben Herstellers hatten und die «abgeleiteten» Coupés, die neben der Mechanik auch Karosserieteile und Interieur mit anderen Modellreihen teilten. Opel Manta und Ford Capri gehörten zur ersten Gruppe der reinen Coupés, während der Mazda RX-2 und das Peugeot-304-Coupé zur zweiten Gruppe zu zählen waren. Priorität bei den Coupés war generell die Leistungssteigerung, was sich in der immer stärkeren Verbreitung oben liegender Nockenwellen und V-förmig angeordneter Ventile äusserte.
Premierenrausch im Segment der teuren Sportwagen
Ganz anders als bei den günstigen Coupés und Sportwagen fand im Segment der hochpreisigen Coupés ein richtiger Premierenrausch statt. Ferrari präsentierte den 365 GTC/4, Fiat das 130 Coupé, BMW zeigte den 3.0 CS, Maserati den Mittelmotorsportwagen Bora. Ford zeigte den GT 70, der aber nie wirklich in Produktion ging, Renault den Alpine-Renault A 310, der durch eine verglaste Lampenfront auffiel. Lamborghini stellte den Urraco mit quergestelltem Mittelmotor vor. Als spezielles Highlight durfte der Prototyp des Lamborghini Countach LP 500 von Bertone gewertet werden, der in vielen Punkten den späteren Produktionssportwagen gleichen Namens vorwegnahm.
Die Qual der Wahl für den Salon-Besucher
Noch nie zuvor war die Auswahl an relevanten Fahrzeugen für einen potenziellen Käufer so gross gewesen. Nicht nur galt es, verschiedene Fabrikate und Baureihen auseinanderzuhalten, mehr und mehr gab es auch noch unterschiedliche Modelle und Ausstattungsvarianten innerhalb einer Baureihe. Der Interessent für eine familientaugliche und bezahlbare Limousine begann also bei Austin, schaute sich den Maxi 1500 MK II an, zog dann zu Morris weiter, um den 1100 Mk II zu begutachten. Weiter gings dann bei Triumph, wo der neue Toledo 1500 TC lockte und dann zu Ford, wo mit dem Escort 1100 ein weiterer ernsthafter Kandidat wartete. Auch bei Vauxhall oder Sunbeam konnte man eventuell fündig werden.
Und jetzt hatte man erst die Engländer abgeklappert, dabei gab es auch bei den japanischen Herstellern Datsun, Toyota, Mazda und Honda preisgünstige Familienlimousinen, und natürlich durfte man auch die arrivierten Platzhirsche von Audi, BMW, Opel, VW, Peugeot, Citroën, Renault, Fiat oder Lancia nicht vergessen. So war schnell ein Tag um, die Taschen mit den Prospekten wogen schwer und die Erinnerungen an einzelne Fahrzeuge verblassten. Gut, dass es da noch die Fachzeitschriften gab, die einem halfen, das Erlebte aufzufrischen.
Mehr Bilder und Berichte der Genfer Autosalons von 1951, 1961 und 1981 finden Sie auf Zwischengas.com. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.03.2011, 10:04 Uhr
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