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«Sarrazin wird den Talkshows als Betriebsnudel erhalten bleiben»
Von Michel Wenzler. Aktualisiert am 02.09.2010
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Der Provokateur Thilo Sarrazin muss gehen. Deutsche Politiker reagieren erleichtert, und die deutschen Medien mit einer Spur Häme. «Thilo Sarrazin hat es geschafft: Halb Deutschland grübelet, wie man ihn am schnellsten los wird», schreibt etwa die Berliner Zeitung TAZ.
Sarrazins Rauswurf aus der Bundesbank und der SPD sei eine richtige, symbolische Grenzziehung. Denn wer Ressentiments gegen die Unterschicht schüre und mit Rassenthesen hantiere, habe in einer linken Partei oder an der Spitze einer Institution nichts verloren. Die Zeitung macht sich aber keine Illusionen, dass mit Sarrazins Rauswurf die Debatte damit vorüber ist: «Sarrazin muss die Bundesbank verlassen, aber als Betriebsnudel wird er den Talkshows erhalten bleiben.»
«Handelsblatt»: «Lange genug hat es gedauert»
Auch das «Handelsblatt» zeigt sich erfreut über die Abberufung von Sarrazin: «Wer die Bundesbank in Verbindung bringt mit kruden Vererbungstheorien, die die nötige Distanz zu unseligen Entartungsthesen vermissen lassen, schadet ihr und der Bundesrepublik. Sie hatte keine andere Wahl, als sich von Sarrazin zu trennen. Lange genug hat es gedauert."
«Spiegel Online»: «Deutscher Kurzschluss»
Die «Welt» spricht indessen von einer verpassten Chance: Statt sich an seine Statistiken zu halten, habe der Bundesbanker befremdliche Vererbungsargumente für mangelhafte Leistungen muslimischer Einwanderer angeführt. Dabei würden seine Daten auch so eine verheerende Sprache sprechen.
«Damit hat Sarrazin es seinen Kritikern leicht gemacht, auf einen Nebenschauplatz auszuweichen. Statt über die eklatanten Versäumnisse unserer Politik diskutieren wir nun, ob Sarrazin Rassist ist oder nicht. Was für eine verschenkte Gelegenheit.» Der Spiegel wiederum bezeichnet den Vorfall als «deutschen Kurzschluss».
«Frankfurter Allgemeine Zeitung»: «Energie falsch eingesetzt»
Ähnlich sieht es die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Sie schreibt: «Man wünschte sich, nur ein Bruchteil dieser gewaltigen Erregungsenergie flösse in den Versuch, die Probleme eines alternden, in Parallelgesellschaften zerfallenden Einwanderungslandes zu lösen, die Sarrazin auf den Punkt brachte wie jedenfalls kein Politiker vor ihm.»
Die Hessische-Niedersächsische Allgemeine hingegen findet, man sollte sich nicht um Sarrazin kümmern – «sondern um eine Politik, die solche Bücher überflüssig macht». (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.09.2010, 20:16 Uhr
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