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Leben im Schatten eines Drogenbarons

Aktualisiert am 11.05.2010

Sebastián Marroquín erzählt in einem Film seine Geschichte als Sohn des berühmt-berüchtigten Drogenbosses Pablo Escobar. Es ist ein Akt der Befreiung.

Belastendes Erbe: Vater Pablo Escobar und Sohn Sebastián Marroquín.

In den letzten 17 Jahren musste Sebastián Marroquín seine Identität verbergen. Jetzt fühlt er sich endlich frei. Der 33-Jährige hat sich vom schweren Erbe seines Vaters losgelöst. Sebastián Marroquín ist der einzige Sohn von Pablo Emilio Escobar, auch genannt «El Doctor», «El Patrón» oder «Don Pablo». Escobar war einer der mächtigsten und brutalsten Drogenhändler. 1993 starb der kolumbianische Drogenbaron bei einer spektakulären Razzia durch US-kolumbianische Elitetruppen in Medellín, von wo aus er sein kriminelles Imperium aufgebaut hatte.

17 Jahre nach seinem Tod schildert ein Dokumentarfilm des Argentiniers Nicolas Entel das Leben seines Sohnes, der sich seit der Flucht seiner Familie aus Kolumbien Sebastián Marroquín nennt. Heute lebt er in Buenos Aires und arbeitet als Architekt. «Das Geschenk, das der Film mir gegeben hat, ist, dass die Welt unsere Familie mit anderen Augen sieht», sagte Escobars Sohn im Gespräch mit der britischen Zeitung «The Times». «Viele Vorurteile sind verschwunden.» Wenn man ein Verwandter eines Verbrechers sei, sei man noch lange nicht dessen Komplize. «Man kann seine Familienangehörigen nicht aussuchen.»

Luxus-Hacienda mit Zoo

So sehr Pablo Escobar ein skrupelloser Krimineller war, so liebenswürdig war er im Umgang mit seinen Kindern, wie Sebastián Marroquín erzählt. Und der Drogenbaron bot seiner Familie ein Leben in Luxus. Escobar besass die grosszügig eingerichtete Hacienda Nápoles. Dazu gehörten ein Flugplatz, ein Hubschrauberlandeplatz, eine Stierkampfarena, sechs Swimmingpools und künstliche Seen für Wasserski. Für den Zoo auf der Hacienda wurden Elefanten, Löwen, Nashörner, Flusspferde und andere exotische Tiere eingeflogen. Für seinen Sohn liess Escobar Dinosaurierfiguren errichten.

Der Escobar-Besitz umfasste auch dutzende Rennboote, Jet-Skis und Motorräder. Sebastián Marroquín lernte schon als Kind das Motorradfahren, mit sieben Jahren konnte er schiessen. Er bekam jedes Spielzeug der Welt. Das Leben als Sohn eines reichen Drogenbarons machte ihn aber auch sehr einsam. «Ich besass 30 Motorräder, konnte diese aber nicht ausfahren.» Seine besten Freunde waren die Leibwächter.

Film als Geste der Versöhnung

Die Escobars machten auch viele Reisen, sie stiegen in den besten Hotels von Venedig und Miami Beach ab. Disney World war eine Lieblingsdestination. Sebastián Marroquín erinnert sich vor allem an eine Reise nach Washington, wo Vater und Sohn für ein Foto vor dem Weissen Haus posierten. Eine besondere Anekdote ist der Besuch des FBI-Museums, in das Escobar dank falschen Ausweispapieren gelangte. Ungern erinnert er sich an das Jahr 1999, als er und seine Mutter - wegen des Verdachts der Geldwäscherei - in Argentinien verhaftet wurden. Er sass 45 Tage im Gefängnis, seine Mutter sogar 20 Monate - «nur weil wir Familienangehörige von Escobar sind».

Heute führt Sebastián Marroquín in Argentinien ein Leben ohne Luxus - trotzdem fühlt er sich so reich wie ein Millionär, «weil ich endlich meine Freiheit habe». Dieses Gefühl hat er dem Dokumentarfilm «Mein Vater, Pablo Escobar» zu verdanken. Den Film versteht er als Geste der Versöhnung an das kolumbianische Volk und als Botschaft des Friedens. «Nicht mehr, aber auch nicht weniger.» (vin)

Erstellt: 11.05.2010, 11:45 Uhr


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